Karnischer Höhenweg - August 2002

Tag 4 - 16. August

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Aufstieg vom Luggauer Törl, Blick Richtung Norden (Luggauer Böden, Ebenertal)

Nach einer kalten aber ruhigen Nacht stehen wie in der Früh auf und setzen unseren Weg fort. Am Berggrat entlang der Staatsgrenze marschieren wir einige Zeit dahin. Obwohl mir der Rucksack inzwischen kaum mehr Probleme macht - entweder hat das zurecht biegen des Gestänges geholfen oder ich habe mich an die Schmerzen gewöhnt - wird dieser Tag recht hart. Denn schon in der Früh ist uns klar, daß wir den ganzen Tag keine Quelle erreichen werden.

Der Weg führt die meiste Zeit ein Stück unter dem Grat oder an diesem entlang und wenn wir nach Italien blicken sehen wir ein wunderschönes Bergmassiv, die Dolomiten. Blicken wir zurück so können wir lange Zeit immer das Luggauer Törl, markant durch den kleinen Teich, erspähen. Nach einiger Zeit des Wanderns erreichen wir die Hochspitzsenke, wo wir Rast machen. Andrea klettert empor, Richtung Hochspitz, während ich mich ausraste und die Rucksäcke bewache. Nachdem sie zurückkommt paßt sie auf unser Gepäck auf, während ich mich auf den Weg zu einem Stolleneingang mache, den ich auf dem Hinweg unter der Hochspitzsenke erkennen konnte. Dort angekommen stelle ich, zu meiner Enttäuschung fest, daß der Stollen nie weit gegraben wurde. Schon knapp zwei Meter nach dem Eingang ist nur mehr Fels zu sehen. Dabei hatte ich mich schon auf eine kleine unterirdische Expedition gefreut.

Also kehre ich zu unserem Rastplatz zurück und ein wenig später geht es weiter. Nach einem lange erscheinenden Marsch kommen wir, gegen Abend, am Tilliacher Joch an. Vom Wasser hatten wir inzwischen auch schon den Notvorrat aufgebraucht und hier oben gab es keines. Wanderer die von der Paßstraße herunterkamen erzählten uns, daß es dort oben nur eine dreckige Lacke gäbe, also nicht gerade das was man sich als Trinkwasserquelle vorstellt.

Andrea erklärte sich schließlich bereit zu einem auf der Karte eingezeichneten Wasserreservoir unter der Porzehütte hinabzusteigen um unsere Vorräte aufzufrischen. Ich wartete inzwischen am Tilliacher Joch und sah mehreren Gruppen von Wanderern dabei zu wie sie zur Hütte hinab stiegen. Nachdem es auch noch zu regnen begonnen hatte kam Andrea mit gefüllten Wasserflaschen zurück und wir standen vor der Frage wo wir die Nacht verbringen würden. Hütten wollten wir schließlich meiden und ein Zelt gegen den Regen hatten wir nicht. Schon aus der Ferne hatten wir gesehen, daß sich am Ende der aus Italien kommenden Straßen ein paar Gebäude befanden. Herunterkommende Wanderer bestätigten uns, daß sich dort wohl regenfeste Militärunterstände aus dem 1. Weltkrieg befinden würden.

Also klettere ich empor um zu überprüfen wie sehr diese zur Übernachtung geeignet sind, während Andrea bei den Rucksäcken bleibt. Schon bald sehe ich vor mir die ersten Unterstände aus Holz, sicher neuer als aus dem 1. Weltkrieg, aber nicht mehr wasserdicht. Doch am Ende der Straße befinden sich Befestigungen aus Beton. Die unterste ist voll mit Müll und Dreck und der Gestank macht eine Übernachtung unmöglich. Auch die zweite, baugleiche betonierte Befestigung, ein Stück weiter oben ist zu sehr verschmutzt, wenngleich auch nicht so schlimm wie die untere. Da bleibt nur die von mir so genannte 'alte Anlage' über. Dieses Gebäude, das nur aus zwei Zimmern besteht ist nicht aus Beton, sondern aus Steinblöcken gemauert. Darin befinden sich sogar noch vier Bettgestelle, die aber schon sehr rostig sind und hoffnungslos durchhängen, fast bis zum Boden. Mit meiner aufblasbaren Unterlegsmatte will ich mich dort lieber nicht drauflegen. Der Geruch hingegen ist hier halbwegs erträglich.

Nachdem ich Andrea von den Befestigungsanlagen erzählt habe ist sie nicht gerade begeistert, doch es gibt in der Nähe nichts besseres und im Regen liegen will keiner von uns. Also steigen wir das kurze Stück hinauf und betrachten die alte Anlage genauer. Wir schieben die Betten zur Wand, da keiner von uns darin schlafen will. Vor dem Gebäude kochen wir unser Abendessen, wie schon am Abend davor Fertigpackerlpasta gestreckt mit normalen Nudeln. Kein Gericht für Gourmets, aber nach einem langen Tag des Wanderns trotzdem lecker. Bevor die Sonne untergeht beschert sie uns noch einen schönen Regenbogen, kurz darauf bricht die Nacht herein. Zuvor suche ich noch, ob es unter der alten Anlage einen Keller oder so gibt, da es am Dach drei Kamine gibt von denen nur einer ins Gebäude reicht. Die anderen beiden scheinen in den Außenwänden nach unten zu führen. Leider bleibt meine Suche erfolglos und wir legen uns schlafen. Da der Regen inzwischen aufgehört hat legen wir uns doch vor der Anlage schlafen, mit der Option bei Regen hinein zu flüchten. Schon bald ziehen die letzten Wolken davon und über uns erstreckt sich wieder einmal der endlose Sternenhimmel.

Unterwegs unterhalb Grat, Blick zurück Richtung Luggauer Törl

Unterwegs unterhalb Grat, Blick zurück Richtung Luggauer Törl, Luggauer Böden, Zwölferspitz, Bödensee

Unterwegs unterhalb Grat, Blick Richtung Süden, Süd-Westen (Italien)

Unterwegs unterhalb Grat, Blick Blick Richtung Westen

Stolleneingang, Hochspitzsenke

Stolleneingang, Hochspitzsenke

Unterwegs entlang Berggrat

Unterwegs entlang Berggrat

Unterwegs entlang Berggrat

Unterwegs entlang Berggrat

Unterwegs entlang Berggrat

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Blick aus Eingang unterer Betonbunker

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Eingang alte Anlage, Schlafplatz (davor)

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Reste von Adler auf unterem Betonbunker

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Großes Zimmer in unterem Betonbunker

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Blick von oberem Betonbunker Richtung Süd-Osten (Alte Anlage)

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Oberer Betonbunker

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Blick Richtung Norden

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Vor alter Anlage, Blick Richtung Süd-Osten (Regenbogen)

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Vor alter Anlage, Blick Richtung Süd-Osten (Regenbogen)

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Alte Anlage und Regenbogen

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Reste von Adler auf unterem Betonbunker

Bunkeranlage Tilliacher Joch - Sonnenuntergang über den Betonbunkern

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